Wer jetzt nicht auf KI setzt, wird abgehängt – auch kleine Unternehmen
Wer als Unternehmen Künstliche Intelligenz ignoriert, riskiert langfristig den Anschluss zu verlieren. Das ist keine Zuspitzung, sondern lässt sich inzwischen an handfesten Zahlen ablesen. Und diese Entwicklung betrifft ausdrücklich nicht nur Konzerne mit eigener IT-Abteilung, sondern genauso kleine Betriebe, die im Alltag oft schlicht keine Zeit finden, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.
Warum der Druck wächst
Der Digitalverband Bitkom hat Anfang 2026 seine aktuelle Studie „Künstliche Intelligenz in Deutschland“ veröffentlicht – eine repräsentative telefonische Befragung von 604 Unternehmen ab 20 Beschäftigten sowie 1.005 Personen ab 16 Jahren, durchgeführt im Sommer 2025. Die zentralen Zahlen daraus zeigen ein klares Bild: 81 Prozent der befragten Unternehmen sehen Künstliche Intelligenz als wichtigste Zukunftstechnologie an. Bei der Bevölkerung sind es 67 Prozent.
Wichtig für die Einordnung dieser Zahl: Die Bitkom-Studie befragt Unternehmen ab 20 Beschäftigten – kleinere Betriebe und Solo-Selbstständige sind darin nicht separat erfasst. Die grundsätzliche Tendenz lässt sich trotzdem übertragen, denn die gleiche Studie zeigt, wie schnell sich die Lage tatsächlich verändert: Der aktive KI-Einsatz in Unternehmen hat sich binnen eines Jahres beinahe verdoppelt – von 20 Prozent im Jahr 2024 auf 36 Prozent im Jahr 2025. Gleichzeitig ist die Gruppe der Unternehmen, für die KI überhaupt kein Thema ist, von einst 87 Prozent (2018) auf nur noch 17 Prozent geschrumpft. Wer heute noch komplett abwartet, gehört damit zu einer immer kleineren Minderheit.
Auch der konkrete Nutzen wird von den Unternehmen, die KI bereits einsetzen, klar benannt: 53 Prozent der KI-Nutzer sehen schnellere und präzisere Problemanalysen als größten Vorteil für ihre Prozesse, 39 Prozent berichten von Expertenwissen, das im Unternehmen sonst nicht verfügbar wäre, und ebenso viele von der Vermeidung menschlicher Fehler. Konkrete Effizienzgewinne wie eingesparte Zeit (22 Prozent) oder geringere Kosten (8 Prozent) werden ebenfalls genannt – deutlich seltener zwar als die qualitativen Vorteile, aber eben nicht nichts. Und: 29 Prozent der Unternehmen wollen ihre KI-Investitionen 2025 gegenüber dem Vorjahr weiter steigern, nur 5 Prozent planen das Gegenteil.
Der EU-AI-Act-Bezug
Zum wachsenden Druck kommt ein rechtlicher Rahmen hinzu, über den wir auf unserer Schulungsseite bereits ausführlich informieren: Seit dem 2. Februar 2025 verpflichtet Art. 4 der EU-KI-Verordnung (Verordnung (EU) 2024/1689) Unternehmen, die KI einsetzen, zur Sicherstellung „ausreichender KI-Kompetenz“ ihres Personals. Das ist keine unverbindliche Empfehlung, sondern eine gesetzliche Pflicht – und sie betrifft ausdrücklich auch kleinere Unternehmen, sobald sie KI-Systeme einsetzen.
Wie groß die Lücke zwischen Anspruch und Praxis hier noch ist, zeigt dieselbe Bitkom-Studie: 43 Prozent der Unternehmen bieten ihren Beschäftigten bislang gar keine Schulungen zu KI an, nur 8 Prozent schulen alle Mitarbeitenden. Bei den Beschäftigten selbst sieht es ähnlich aus – 70 Prozent haben bislang schlicht keine Möglichkeit erhalten, sich im beruflichen Kontext gezielt mit KI weiterzubilden. Wer die gesetzliche Pflicht ernst nimmt, kommt an diesem Thema also nicht vorbei, unabhängig von der Unternehmensgröße.
Worauf es jetzt ankommt
Aus den genannten Zahlen ergeben sich für uns drei klare Handlungsfelder, die sich mit unserer eigenen Erfahrung aus zahlreichen Kundenprojekten decken:
Prozesse umbauen statt nur kleiner Testprojekte. Ein einzelner Chatbot-Test ohne echte Anbindung an die eigenen Daten und Abläufe bringt wenig – das bestätigt auch die Bitkom-Studie: Unternehmen mit eigener Praxiserfahrung im Umgang mit KI erkennen die Potenziale deutlich klarer und erwarten eine breitere Wirkung als Unternehmen, die noch gar keine KI einsetzen. Genau dieser Gedanke – erst eine belastbare Grundlage schaffen, bevor man auf ihr aufbaut – steht auch hinter unserem eigenen Vorgehen bei Kundenprojekten: Wir schlagen bewusst erst „Wurzeln“, bevor der „Baum“ wächst, wie wir es kürzlich ausführlich beschrieben haben – sprich: saubere Dateneinbindung und funktionierende Basis vor weiterreichenden Automatisierungen, keine Insellösungen ohne Fundament.
Mitarbeiter mitnehmen, Teams schulen. Die Zahlen oben zeigen, dass genau hier die größte Lücke klafft. Die gesetzliche Pflicht aus dem AI Act ist dabei nicht nur eine Formalität, sondern eine reale Chance: Laut Bitkom zählen mangelnde Akzeptanz der Beschäftigten (31 Prozent) und fehlendes technisches Know-how (53 Prozent) zu den größten Hemmnissen beim KI-Einsatz überhaupt. Wer schult, baut also nicht nur eine Pflicht ab, sondern die größten praktischen Hürden gleich mit.
Führung einfordern. Interessant ist an dieser Stelle ein Befund, der in öffentlichen Debatten oft untergeht: Zwei Drittel der Unternehmen (67 Prozent) erwarten laut Bitkom in den kommenden fünf Jahren keinen unmittelbaren Einfluss von KI auf ihre Beschäftigtenzahl – ein knappes Drittel (31 Prozent) sieht KI sogar als Hebel, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, statt Stellen abzubauen. Das nimmt der Debatte etwas von ihrer Schärfe, ändert aber nichts daran, dass ohne Führung von oben – klare Prioritäten, sichtbare Beteiligung des Managements – aus einem KI-Vorhaben schnell ein Alibi-Testprojekt wird, das im Sande verläuft.
Warum gerade kleine Unternehmen oft zögern
Kleinere Betriebe stehen dabei vor einer besonderen Situation: Ihnen fehlen häufig eine eigene IT-Abteilung, ein separates Digitalisierungsbudget und vor allem Zeit, sich neben dem Tagesgeschäft in ein komplexes neues Thema einzuarbeiten. Diese ganz praktische Hürde – nicht mangelndes Interesse – beschreiben wir bereits an anderer Stelle ausführlicher, etwa mit Blick auf Bäckereien und das Lebensmittelhandwerk.
Gerade in diesem Umfeld zeigt sich der Zeitdruck besonders drastisch. Eine Bäckerei arbeitet im Grunde wie ein Ultra-Fast-Food-Betrieb: Was morgens frisch produziert wird und nicht bis zum Abend verkauft ist, landet in der Regel im Müll. Es gibt hier keine Lagerreserve, keine zweite Chance am nächsten Tag – die Entscheidung, wie viel produziert wird, muss täglich neu und richtig getroffen werden. Genau in einem solchen Umfeld zahlt sich eine saubere, auf die eigenen Daten gestützte Prognose besonders schnell aus, weil jeder Fehltag sofort sichtbare Kosten verursacht. Die konkreten Mechanismen dazu – etwa unsere Bestellprognose für das Lebensmittelhandwerk – haben wir in einem eigenen Artikel bereits eingeordnet, inklusive der Frage, welchen Zahlen aus diesem Markt man trauen kann und welchen nicht.
Was das für Ihre Entscheidung bedeutet
Die Zahlen sind eindeutig: Der Anteil der Unternehmen, die KI aktiv nutzen, hat sich in einem Jahr fast verdoppelt, die große Mehrheit stuft das Thema als hochrelevant ein, und mit dem AI Act kommt zusätzlich eine konkrete gesetzliche Pflicht zur Weiterbildung hinzu. Wer als kleines Unternehmen jetzt abwartet, wartet nicht auf einen guten Zeitpunkt – der Abstand zu Wettbewerbern, die längst begonnen haben, wächst in der Zwischenzeit weiter.
Wir laden Sie zu einem kostenlosen, unverbindlichen Vergleich ein: Wo steht Ihr Unternehmen heute, und welcher erste, konkrete Schritt ergibt für Sie tatsächlich Sinn?
Die auf dieser Seite genannten Informationen entsprechen unserem aktuellen Kenntnisstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und werden regelmäßig aktualisiert. Sie stellen keine Rechtsberatung dar. CI4U übernimmt keine Haftung für die Vollständigkeit oder Aktualität einzelner Angaben — insbesondere bei sich ändernden gesetzlichen Rahmenbedingungen (z. B. EU AI Act, DSGVO) empfehlen wir die Abstimmung mit einer spezialisierten Kanzlei oder Ihrem Datenschutzbeauftragten.
Die genannten Prozentwerte stammen aus der Studie „Künstliche Intelligenz in Deutschland“ von Bitkom Research (veröffentlicht Februar 2026, Befragungszeitraum Sommer 2025, Basis: 604 Unternehmen ab 20 Beschäftigten sowie 1.005 Personen ab 16 Jahren). Kleinere Unternehmen und Solo-Selbstständige sind in dieser Stichprobe nicht separat erfasst; die Übertragbarkeit der Tendenzen auf sehr kleine Betriebe ist daher mit Vorsicht zu betrachten.
Quellen
- Bitkom Research: „Künstliche Intelligenz in Deutschland – Perspektiven aus Bevölkerung und Unternehmen“ (Studienbericht, veröffentlicht Februar 2026, DOI 10.64022/2026-kuenstliche-intelligenz). bitkom.org
- Verordnung (EU) 2024/1689 (EU-KI-Verordnung/AI Act), Art. 4 – KI-Kompetenz, in Kraft seit 2. Februar 2025.
- CI4U: „EU AI Act KI-Kompetenz-Schulung“. ci4u.de/schulung
- CI4U: „Warum wir erst Wurzeln schlagen lassen, bevor der Baum wächst“. ci4u.de
- CI4U: „Warum sich Bäckereien mit der KI-Entscheidung schwertun – und warum das bei uns anders ist“. ci4u.de
