Weniger produzieren statt retten: Wie CI4U Lebensmittelverschwendung an der Wurzel bekämpft
Rettungs-Apps wie Too Good To Go sind inzwischen fast jedem bekannt, und in Frankreich gilt seit 2016 sogar ein gesetzliches Wegwerfverbot für Supermärkte. Beide Ansätze haben eines gemeinsam: Sie setzen an, nachdem bereits zu viel produziert wurde. Wir bei CI4U stellen uns die Frage anders – und zwar davor.
Lebensmittelverschwendung in Zahlen – wo Deutschland und die EU stehen
Für das Jahr 2022 hat Deutschland dem Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) zufolge rund 10,8 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle an die EU-Kommission gemeldet. Den größten Anteil daran haben mit rund 58 bis 60 Prozent private Haushalte, gefolgt von Außer-Haus-Verpflegung (ca. 17 bis 18 Prozent), Verarbeitung (ca. 15 Prozent) und Handel (ca. 7 Prozent). Erklärtes Ziel von Bund und Ländern ist es, die Lebensmittelabfälle bis 2030 in allen Sektoren zu halbieren.
Der Handelsanteil wirkt auf den ersten Blick klein – bezogen auf die absolute Menge ist er jedoch alles andere als vernachlässigbar, und gerade im Lebensmittelhandwerk mit seinen kurzen Haltbarkeiten (allen voran Brot und Backwaren) entscheidet oft die Bestellmenge des Vortages darüber, was am Ende im Container landet.
Frankreich als Vorreiter: gesetzlicher Zwang zur Rettung
Frankreich ist bei diesem Thema seit Jahren Vorreiter in Europa. Mit dem sogenannten „Loi Garot“ verpflichtet das Land seit 2016 Supermärkte ab einer Verkaufsfläche von 400 Quadratmetern, unverkaufte, aber noch genusstaugliche Lebensmittel an Tafeln und ähnliche Organisationen zu spenden oder als Tierfutter beziehungsweise Kompost weiterzuverwerten, statt sie einfach zu entsorgen. Wer sich dem verweigert, riskiert Strafen von bis zu 0,1 Prozent des Jahresumsatzes.
Das Gesetz hat spürbar etwas verändert: Berichten zufolge erhalten Tafeln in Frankreich seither deutlich mehr und qualitativ bessere Ware. Ausgenommen von der Spendenpflicht sind allerdings Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum bereits überschritten ist, sowie bestimmte nicht vorverpackte tierische Produkte.
Deutschland reagiert mit Plattformen – aber erst nach der Produktion
In Deutschland gibt es (noch) kein vergleichbares Wegwerfverbot. Stattdessen hat sich hierzulande eine ganze Reihe privatwirtschaftlicher Rettungsplattformen etabliert: Too Good To Go, Sirplus und ZuGutFürDieTonne sind die bekanntesten Beispiele. Sie vermitteln überschüssige, aber noch einwandfreie Ware zu reduzierten Preisen oder als Spende an Endkunden beziehungsweise soziale Einrichtungen – gerade im Bereich Brot und Backwaren gibt es dazu bereits dokumentierte Praxisbeispiele von ZuGutFürDieTonne, wie Betriebe ihre Abfälle bei Brot- und Backwaren gezielt reduzieren.
So sinnvoll diese Plattformen sind: Sie setzen ausnahmslos NACH der Produktion an. Ihre Aufgabe ist es, zu retten, was bereits zu viel gebacken, gekocht oder produziert wurde. Sie beheben damit ein Symptom – die Ursache, also die Frage, warum überhaupt mehr produziert wurde, als nachgefragt war, bleibt unangetastet.
Der CI4U-Ansatz: weniger produzieren statt mehr retten
Genau an diesem Punkt setzen wir mit CI4U an – und zwar bewusst einen Schritt früher. Statt Überschuss im Nachhinein zu vermitteln, arbeiten wir daran, dass der Überschuss möglichst gar nicht erst entsteht. Unser Bäckermodul verbindet historische Verkaufsdaten mit Wetter, Wochentag, Ferien und lokalen Ereignissen zu einer nachvollziehbaren Tagesbedarfsprognose je Filiale und Artikel. Wer präziser bestellt, produziert weniger auf Vorrat und wirft am Ende weniger weg – nicht weil eine Rettungsplattform es abnimmt, sondern weil die Menge von vornherein besser passt.
Wichtig ist uns dabei eine klare Einordnung: Rettungsplattformen und Prognose-Software schließen sich nicht aus, sie ergänzen sich. Auch mit der besten Prognose wird die Nachfrage nie zu hundert Prozent exakt getroffen – ein kleiner Rest bleibt realistischerweise immer. Die Frage ist nur, wie groß dieser Rest ist und was am Ende noch damit passiert.
Ausblick: eine mögliche Ergänzung, keine Kooperation
Für genau diesen realistischen Restfall prüfen wir aktuell eine eigene Schnittstelle in Richtung Too Good To Go, damit sich kurz vor Ladenschluss automatisch eine „Rettertüte“ anbieten lässt, falls die Bestellprognose trotz aller Sorgfalt einmal einen kleinen Überschuss zeigt. Wir möchten an dieser Stelle ausdrücklich klarstellen: Es handelt sich dabei um eine eigene Entwicklung von CI4U, nicht um eine bestätigte offizielle Kooperation oder Partnerschaft mit Too Good To Go oder einer anderen Plattform. Sollte eine solche Partnerschaft zustande kommen, informieren wir gesondert darüber.
Unser Fazit: Rettungsplattformen und gesetzliche Vorgaben wie in Frankreich sind wichtige Bausteine gegen Lebensmittelverschwendung. Wir glauben aber, dass der wirksamste Hebel schon einen Schritt früher ansetzt – bei der Frage, wie viel überhaupt produziert werden sollte.
Sie möchten wissen, wie viel Ihr Betrieb allein durch eine präzisere Bestellprognose einsparen könnte? Mehr zu unserem Bäckermodul finden Sie auf unserer Seite Lebensmittelhandwerk, oder sprechen Sie uns direkt über unsere Kontaktseite an.
Rechtshinweis
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechts-, Steuer- oder Unternehmensberatung dar. Die genannten Zahlen zur Lebensmittelverschwendung in Deutschland (Stand 2022) stammen aus der Berichterstattung des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) an die EU-Kommission. Angaben zum französischen „Loi Garot“ beruhen auf öffentlich zugänglicher Berichterstattung und erheben keinen Anspruch auf eine vollständige juristische Wiedergabe des Gesetzestextes. Die im Ausblick beschriebene Schnittstelle zu Too Good To Go befindet sich in Entwicklung und stellt ausdrücklich KEINE bestätigte Kooperation oder Partnerschaft mit Too Good To Go oder einer anderen genannten Plattform dar.
